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Dalwhinnie Destillerie – die zweithöchste aktive Brennerei Schottlands

Eine Meile nördlich von Loch Ericht liegt an der A9, etwa auf halber Strecke zwischen Inverness und Perth, nahe der Kreuzung zur A889 die Dalwhinnie Distillery. Manche Quellen bezeichnen den Standort überschwänglich als „exzellente zentrale Lage“, was den Verfasser dieser Zeilen mehr an Maklerdeutsch erinnert, als an eine sinnvolle Beschreibung des Orts. Wer einmal dort war, würde insbesondere in Bezug auf das ausgehende 19. Jahrhundert diese Gegend eher als „gottverlassen“ bezeichnen. Wie dem auch sei, heute wird der Standort stetig frequentiert. Meist von Touristen, die entweder möglichst schnell in Richtung Inverness und Perth wollen oder die etwas tückischen Straßen zu anderen Destillerien abseits der Hauptverkehrsachsen scheuen.
Genau an dieser Stelle meinten die Herren John Grant, George Sellar und Alexander Mackenzie im Jahr 1897 eine Destillerie gründen zu müssen. Sie nannten sie Strathspey Distillery. Nach einer Investition von etwa 10.000 GBP wurde im Februar 1898 das erste Destillat abgefüllt. Kenner der Geschichte des schottischen Whiskys ist dieses Jahr auch für ein anderes Ereignis bekannt. Dieses Jahr ging durch den Pattison-Crash in die Geschichte ein und versetzte der boomende schottische Whiskybranche einen harten Schlag. Die betrügerischen Pattison-Brüder bekamen wenig später die Gelegenheit ihre Schuld in geschlossenen Einrichtungen abzusitzen, doch dies half nicht den Destillerien, die mit in den Pleitestrudel gezogen wurden.
Dalwhinnie gilt in vielen Quellen als die höchstgelegene aktive Destillerie Schottlands. Richtig ist, dass sie mit einer Höhe von 1073 ft (entspricht etwa 326 m) über dem Meeresspiegel, die zweithöchste aktive Brennerei Schottlands hinter Braeval mit 1165 ft (entspricht etwa 355 m) ist. Nur für die Zeit zwischen 2002 und 2008, als Braeval stillgelegt worden war, konnte Dalwhinnie die Bezeichnung zu Recht tragen. Oft wird in diesem Zusammenhang auch Tomintoul erwähnt, der gleichnamige Ort liegt unbestritten auf einer Höhe von etwa 1214 ft (entspricht etwa 370 m), die Destillerie selbst jedoch liegt außerhalb der Ortslage deutlich tiefer und sollte somit beim Gerangel um die offensichtlich lohnenswerte Bezeichnung nicht berücksichtigt werden.
Erstaunlich ist, dass es von Dalwhinnie nicht die üblichen 8-, 10- oder 12jährige Abfüllungen gibt. Wobei unter Sammlern noch eine 8jährige Abfüllung aus den 1980er Jahren von James Buchanan & Co. Ltd mit Preisen ab 240 GBP aufwärts gehandelt wird. Die Ursache dafür ist der leicht schweflige Geruch des Dalwhinnie Whiskys im jungen Alter. Dies führte dazu, dass Dalwhinnie früher von den Einheimischen auch als „Kohlwasser“ bezeichnet wurde. Erst im fortgeschrittenen Alter ersetzt eine Honignote den etwas gewöhnungsbedürftigen Geruch. Interessant wäre herauszufinden, ob die von Buchanan in den 1980er Jahren herausgebrachte 8jährige Abfüllung heute noch immer diese Duftnoten hat.
Jim Murray meint zu Dalwhinnie`s 15jähriger Abfüllung: „A malt it is hard to decide wether to drink or bath in it. Know anyone who reckons they don’t like whisky? Give them a glass of this – that’s them cured.“ – „Bei diesem Malz ist es schwer zu entscheiden, ob man darin trinkt oder in ihm badet. Kennen Sie jemanden, der der Meinung ist, dass er Whisky nicht mag? Gib ihnen ein Glas davon – dann sind sie geheilt. [Übersetzung des Verfasser].
L. E.