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Whisky – Genuss- oder Wertobjekt?

Sobald der Whisky-Anfänger zur Erkenntnis gekommen ist, dass die Scotch`s von „Johnny Walker“ und die Bourbon`s von „Jim Beam“ nur ein kleiner Funken der Wahrheit sind, steht dieser unschlüssig vor dem Malt-Whiskyregal im Discounter und hofft hier der Weisheit letzter Schluss zu finden. Einen echten Überblick bietet aber nur das Internet. Seit etwa den 1990er Jahren interessieren sich aber nicht nur Genießer, sondern auch Sammler für Whisky. Für diese steht weniger der Genuss, sondern die emotionale Befriedigung der Sammelleidenschaft im Vordergrund – meist spielt auch der (in der Regel) steigende Wert der Abfüllungen hinein. Dabei gilt: Je weniger Exemplare einer Abfüllung existieren, umso mehr steigt der Wert der Verbliebenen. Limitierte Abfüllungen sind quasi prädestiniert dafür im Wert zu steigen, denn bei Whisky handelt es sich immer um ein Unikat. D. h. die Flüssigkeit ist grundsätzlich nicht reproduzier – jedoch über Jahrzehnte – ohne nennenswerten Qualitätsverlust – halt- und lagerbar. Hinzu kommt ein „natürlichen Schwund“ durch Genuss der Fans. Also beste Voraussetzungen, auch für Sammler interessant zu ein. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist ein 60 Jahre alter The Macallan – destilliert im Jahr 1926. Von dieser Abfüllung wurde im Oktober 2019 eine Flasche für etwa 1,68 Millionen Euro versteigert – aller Wahrscheinlichkeit nach wird diese wohl nie getrunken (was eigentlich schade ist). Selbstverständlich ist das die Spitze des Eisbergs.
Auch aktuelle Abfüllungen bieten neben dem Genuss auch ein erhebliches Wertsteigerungspotential. Wie deutlich dieses ausfällt, hängt davon ab, ob sich um die Destillerie bereits ein „Kult“ gebildet hat. In der ersten Riege spielen hier die schottischen Destillerien The Macallan, Bowmore, Laphroaig und Ardbeg von der Insel Islay, Springbank von der Halbinsel Kintyre, Talisker von der Insel Skye – um nur einige zu nennen. Zudem sollten die Abfüllungen eine genaue Dokumentation des Destillations- und Abfüllungszeitpunkts bzw. des Alters haben und möglichst unmittelbar den Destilleriecharakter widerspiegeln. Kommen dazu noch außergewöhnliche Umstände bei der Entstehung bzw. Vermarktung, ist eine solche Abfüllung prädestiniert für eine Wertsteigerung.
Ein aktuelles Beispiel ist der Laphroaig 2020 – 10 Years / Batch 12 / Cask Strength. Bei dieser fassstarken, ungefilterten Abfüllung handelt es sich um die limitierte Abfüllung anlässlich des jährlichen Whisky-Festivals „Fèis Ìle“ 2020 auf der schottischen Hebrideninsel Islay. Durch die Corona-Krise wurde das Festival in diesem Jahr vor Ort jedoch abgesagt. Dadurch kam der ausgewählte Online-Einzelhandel in den Genuss den Verkauf ab etwa dem 29. Mai 2020 für etwa 72,00 € anzukündigen. Bereits am 05. Juni 2020 meldete der erste Händler den Ausverkauf seiner offenbar sehr wenigen Exemplare. Am 10.06.2020 beendete auch der letzte Onlinehändler den Verkauf.
Welches Wertsteigerungspotential speziell diese Abfüllung hat, zeigt ein Blick in die Sammlerecke eines Online-Whiskyhändlers. Dort steht aktuell eine vergleichbare Abfüllung aus dem Jahr 2010 zum Preis von 299,00 € zum Verkauf.
Interessanterweise umfasst die Lieferung dieser Abfüllung auch einen „Passport to Islay“, welcher es dem Eigner erlauft, der Vereinigung „Friends of Laphroaig“ beizutreten. Aber dazu später mehr …