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Schwarzbrennen – Volkssport im Schottland des 18. Jahrhunderts

Im Ergebnis der im 18. Jahrhundert forcierten Steuerpolitik Englands, wurde in Schottland die Schwarzbrennerei zum „Volkssport“. Der Staat hielt mit dem vermehrten Einsatz von Steuereintreibern dagegen. Selbst der schottische Nationaldichter Robert Burns (* 25. Januar 1759; † 21. Juli 1796) war einer von ihnen.
Zur Aufnahme im Staatsdienst wandte er sich im Jahr 1787 mit den Worten an seinen Förderer den Earl of Glencairn: “Ich möchte zur Steuerbehörde. Mir wurde zugetragen, dass die Interessen Ihrer Lordschaft mir schnell zu einer Zustimmung des Kommissars verhelfen werden. Und die Unterstützung und Güte Ihrer Lordschaft, die mich schon vor Finsternis, Elend und Verbannung bewahrt haben, bestärkt mich darin diesen Gefallen vorzubringen.”
Der Earl unterstützte sein Begehren, so dass Burns ab 1792 als Steuereintreiber arbeitete. Dies brachte ihm immerhin jährlich etwa 70 £ Sterling ein. Schnell erkannte er jedoch, dass diese Aufgabe seinen Neigungen zutiefst widersprach. In dieser Zeit verfasste er das Gedicht „Deil’s awa wi the Exciseman“, wonach der Teufel mit den Steuereintreibern aus der Stadt tanzen sollte.
Ungeachtet des beruflichen Engagements des Dichters kannte der Erfindungsreichtum der Bevölkerung die unbeliebte Besteuerung ihres Whiskys zu umgehen keine Grenzen. Dies berichtete auch Alfred Barnard Ende des 19. Jahrhunderts. Interessant und unterhaltsam sind seine historischen Überlieferungen zu Schwarzbrennern und Schmugglern, deren Einfallsreichtum keine Grenzen kannten. Manche versteckten die Brennblasen an unzugänglichen Orten, wie beispielweise in Berghöhlen, auf Inseln in See oder auf Booten. Andere wiederum – so berichtetet ein gewisser Morewood – versuchten erst gar nicht die Brennanlagen zu verbergen, sondern fertigten derart kunstvolle Konstruktionen an, dass sie von den Steuereintreibern als solche nicht wahrgenommen worden sind.
Auch die Steuerbeamten versuchten mit allen Tricks hinter die Schliche der Schwarzbrenner zu kommen. So geschah es, dass sich ein misstrauischer Staatsbediensteter des Nachts auf die Lauer legte, um einen Bauern zu überführen. Dieser führte tatsächlich ein mit einem Sack bepacktes Pferd im Mondschein ins Moor. Der Beamte war sich sicher, dass der Sack als Nachschub für die Schwarzbrennerei des Bauern dienen sollte. Dieser ließ tatsächlich an einer Stelle den Sack zu Boden gleiten. Als der Steuerbeamten sich dieser Stelle näherte, war aber der Sack spurlos verschwunden. Im Mondschein blieb ihm nichts anderes übrig, als die Suche ratlos abzubrechen. Nachdem er am nächsten Tag militärischen Nachschub geordert hatte, untersuchte er die Stelle abermals. Selbst nach längerem Suchen, durch ihn und seine Begleiter, konnte an der besagten Stelle nichts gefunden werden. Der Steuerbeamten glaube bereits an Wahnvorstellungen, bis ihm einige aus unerklärlichem Grund heruntergefallene Brombeeren auffielen. Als er diese untersuchte fand er eine lose Grasnarbe. Darunter befand sich eine Bodenluke, welche einen kleinen Eingang zu einer Höhle verbarg. In dieser fand er eine Brennerei, für deren Wasserversorgung ein unterirdischer Bach zur Verfügung stand. Die Ableitung des Rauchs erfolgte über ein Rohrsystem und endete im Wohnhaus eines Bauern, welche die Abwärme sogar zur Beheizung seiner Unterkunft nutzte.
Anschaulich berichtet der Whiskyjournalist Alfred Barnard über einen weiteren Fall in dem er sich ebenfalls auf den schon angesprochenen Morewood bezog. Demnach wurde zu Beginn des Jahres 1803 ein in Donfanaghy stationierter Offizier zu einem Mann gerufen, welcher angeblich beabsichtigte Informationen über Schmuggler preiszugeben. Maskierte entführen ihn jedoch und auf die Inselgruppe Arran an der Westküste Irlands, angeblich auf die Insel Inishmaan. Dort angekommen zwangen die Schmuggler den Beamten, ihnen bei der Herstellung von Whisky „zur Hand zu gehen“. Nach 13 Tagen bestand kein Anlass mehr den Mann festzuhalten. So verbrachte man ihn auf das Festland in die Nähe seiner Herkunftsortes. Nach einem langem Marsch schaffte es der freigelassene Offizier tatsächlich, zu seiner trauernden Familie zurückzufinden, welche schon alle Hoffnungen aufgegeben hatte, ihn je wieder zu sehen. Im Laufe der Geschichte werden solche Überlieferungen zu Mythen verklärt. Was daran jedoch daran wahr und was erdacht ist, wird durch den Nebel der Geschichte verschleiert.
Ab 1824 wurden durch erleichterte Steuergesetze „Act of Excise“ vermehrt auch kleinere Brennereien legalisiert. Dies war nichts anderes als ein weiterer verzweifelter Versuch die Schwarzbrennerei einzudämmen.
Die erste Lizenz wurde dem Farmer George Smith aus Glenlivet zugesprochen. Im Laufe der nächsten 50 Jahre ging aufgrund zunehmender Erteilung von Lizenzen die Anzahl der illegalen Brenner drastisch zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren praktisch keine Brennereien ohne eine solche Lizenz mehr in Betrieb. Seit dieser Zeit, bis Endes des 1900 Jahrhunderts entstand in Schottland eine Vielzahl von Destillerien. Dabei bildeten sich nach und nach Regionen heraus, in denen sich die Whiskyproduktion konzentrierte.
L. E.