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The Glenfiddich Distillery – ein Besuch im Herzen des Speyside

The Glenfiddich Distillery befindet sich nördlich, außerhalb der Ortslage von Dufftown direkt an der A 941. In Steinwurfweite davon liegen die Kininvie und Balvenie Distillery. Alle drei Destillerien gehören zum Familienunternehmen William Grant & Sons. Südlich der Destillerie, befindet sich erhoben, hinter Bäumen versteck, das Castle Balvenie. Der üppige Baumbestand verhindert jedoch, dass sich der Besucher von dort einen Überblick über das von William J. Grant (* 18. Dezember 1839, † 5. Januar 1923) im 19. Jahrhunderts begründete Destillerie-Imperium verschaffen könnte. Die Anlage von Glenfiddich versteckt geschickt ihre eigentliche Größe von etwa 14 Hektar.
Offiziell wurde das Glenfiddich 1886 gegründet. Die Firmengeschichte besagt, dass der erste Whisky am Weihnachtstag des Jahres 1887 aus einem Pot Stills floss. Eigentlich begann aber die Geschichte von Glenfiddich und dem Gründer William J. Grant deutlich früher. Ab 1866 arbeitet Grant als Buchhalter in der ebenfalls in Dufftown ansässigen Destillerie Mortlach. Insgesamt blieb er dort etwa 20 Jahre. In dieser Zeit gründete er eine Familie, er hatte zwei Töchter und sieben Söhne. In den für die schottische Whiskybranche goldenen 1880er Jahren beschloss er, seinen Traum Realität werden zu lassen. Dazu kaufte er am Fiddich ein Stück Land und zwei gebrauchte Brennblasen von der Cardhu Distillery. Die ersten Gebäude errichtete er quasi im Alleingang, nur mit Hilfe seiner Familie und eines Steinmetzes. Dabei ließ ihn sein Geschäftsinstinkt nicht im Sticht. Auch zu Beginn der 1890er Jahre brummte – wie es heute so schön heißt – das Geschäft. Dieses bestand im Wesentlichen darin, für andere Unternehmen Whisky zu produzieren, die daraus Blends kreierten. Mit der Pattison-Pleite Ende 1898 brach für Grant schlagartig sein größter Abnehmer weg. Notgedrungen entschied er, seinen eigenen Blend mit dem Namen „Grant`s“ zu vermarkten. Dies sollte sich als brillante Entscheidung herausstellen, denn dieser wird heute in mehr als 180 Ländern verkauft.
1915 führte die Regierung Großbritanniens eine Mindestreifezeit von zwei Jahren ein, die in Schottlands Whiskybranche ein erhebliches Beben auslöste. Nicht wenige Destillerien meldeten Bankrott an, da sie keine Lagerbestände von gereiftem Whisky hatten. Nicht so bei Glenfiddich. Die Familie wusste schon längst, dass gereifter Whisky deutlich mehr Geschmacksnuancen hat, als der Brand direkt aus der Brennblase. Grant wusste genau, dass speziell sein Whisky mit einer Reifung immer besserer wurde. Auch der Whisky-Papst Jim Murray bescheinigte Glenfiddich eine exzellente Qualität, die sich nach seiner Meinung aber erst ab 15 Jahren zeigt. Die heute nicht mehr vertriebene, aber in den 1990er Jahren übliche 7- bis 8-jährige Standardabfüllung bezeichnete er in diesem Zusammenhang als „vorpubertär“.
William J. Grant führte noch hochbetagt und fast erblindet das Familienunternehmen. Er starb am 5. Januar 1923 und hinterließ seiner Familien ein hervorragend aufgestelltes Unternehmen.
Im Jahr 1957 lancierte seine Familie die bis heute verwendete Flasche mit dem dreieckigen Querschnitt, die – und das ist Wenigen bekannt – ein Deutscher, Hans Schleger, entwarf. Anfang der 1960er Jahre konnte das Familienunternehmen kaum noch Grain-Whisky für die hauseigenen Blends „Grant’s“ und „Clan McGregor“ akquirieren. Die Familie entschloss sich, eine eigene Grain-Destillerie namens „Girvan“ in South Ayrshire im Süden Schottlands zu errichten. Der Bau der damals zweitgrößten Grain-Destillerie begann im Jahr 1963. Gleichzeitig beschloss die Familie den Whisky von Glenfiddich als Single Malt nicht nur auf dem schottischen Markt, sondern auch weltweit anzubieten. Dadurch trug das Unternehmen in erheblichem Maße dazu bei, den bis heute anhaltenden Boom des Single Malt mit zu begründen.
Die konsequente Vermarktung des Unternehmens führte dazu, dass im Jahr 1969 Glenfiddich als erste Schottische Destillerie ein Visitorcenter eröffnete. In diesem beginnt auch die Führung durch die Destillerie. Zunächst ein Film zur Geschichte und zur Art der Whiskyherstellung im hauseigenen „Kino“. Danach ein Rundgang, der von der Besichtigung des Brennhauses gekrönt wird. Zum Abschluss steht die Verkostung eines Whiskys von Glenfiddich an. Dafür standen ein Glenfiddich 15 Years, ein Glenfiddich IPA und ein Glenfiddich 18 Years bereit. Letzterer wurde von den Verkostern als heimlicher Favorit gekürt. Der als Fahrer fungierende Verfasser dieser Zeilen musste sich notgedrungen mit einer Miniaturversion eines Glenfiddich 12 Years zufriedengeben. Zu später Stunde am Abend allein genossen, rundete dieser das Erlebnis Glenfiddich dennoch wohltuend ab.

Aus aktuellem Anlass ein Hinweis für die Sammler unter uns Genießern: Vom 17. – 22. Juni 2020 versteigert das Auktionshaus Whisky Auctioneer alle 450 Exemplare der diesjährigen Distillery Edition. Dabei handelt es sich um einen 13-jährigen Single Cask Whisky mit Finish im Ex-Sherryfass. Die Abfüllung kann einen Alkoholgehalt von strammen 65,7 Volumenprozent vorweisen. Wer ein Exemplar ergattert hat, sagt dem Verfasser dieser Zeilen bitte zwecks Verkostung Bescheid.