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Aberfeldy Destillerie – auf den Spuren von „Tommy“ Dewar

Etwa eine Autostunde nordwestlich vom schottischen Perth liegt in den südlichen Highland`s die Dewar’s Aberfeldy Distillery in Aberfeldy. Der Name des Orts heißt auf Schottisch-gälisch „Obair Pheallaidh“, was so viel bedeutet wie Mündung des Pheallaidh – wobei Pheallaidh eine Art Wasserkobold sein soll. Bizarr, aber schön.
Die Gründung der Destillerie geht auf Tommy und John A. Dewar zurück, welche das von ihrem Vater, John Dewar, 1846 gegründete, Whisky-Unternehmen nach seinem Tod 1880 fortführten. Thomas Robert Dewar, 1. Baron Dewar (*6. Januar 1864 – †11. April 1930), eigentlich immer nur „Tommy“ genannt, war eine der schillerndsten Figuren des Whiskygeschäfts des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Zur Vermarktung seines Whiskys bereiste er zwei Jahr lang die Welt – 26 Länder waren es schlussendlich. Er entwickelte dabei eine Masche zur Perfektion, die man heute „Emotional Branding“ bezeichnet, d. h. mit großer Hingabe vermittelte er seiner Kundschaft ein Gefühl für Schottland und den sympathischen – manche sagen schrulligen – Eigenheiten seiner Bewohner. Sein älterer Bruder John Alexander Dewar, 1st Baron Forteviot (*6. Juni 1856 – †23. November 1929) hingegen leitete die Produktion und hielt so den Kleinkrieg des Unternehmerdaseins von Tommy fern.
Anfang der 1890er Jahre – etwa 10 Jahre nach dem Tod ihres Vaters – begannen die Brüder einen Standort für eine Malt-Destillerie zu suchen und fanden ihn in Aberfeldy. Eine gut Verkehrsanbindung mit dem Zug zu ihrer Firmenzentrale nach Inveralmond nahe Perth, eine erstklassige natürlichen Destillations-Wasserquelle durch den The Pitilie Burn und die am Standort noch vorhandenen Gebäude der ehemaligen Pitilie Destillerie waren gute Gründe sich genau für diesen Standort zu entscheiden. Vielleicht kam auch noch ein sentimentaler Grund hinzu. Nur dreieinhalb Meilen westlich liegt die Siedlung Dull – der Geburtsort ihres Vaters und Unternehmensgründers John Dewar.
Zur Erweiterung und Modernisierung wurde Charles C. Doig beauftragt, der seit der Errichtung der Pagodendächer der Dailuaine Destillerie im Jahr 1889, auch überregionale Bekanntheit genoss. Doig sah auch bei Aberfeldy eine Pagode über der Malzdarre vor. Zudem beschloss er,  die Produktion linear, d. h. hintereinander anzuordnen, um den Ablauf derselben möglichst effektiv zu gestalten. Letztendlich wurden nur die Lager, zu denen heute auch Besucher Zutritt haben, auf der straßenabgewandten Seite im 90 Grad-Winkel zur Produktion angeordnet.
Im Frühjahr 2010 eröffnete das fast 1,5 Millionen GBP teurere neue Visitor Center namens „Dewar’s World of Whisky“, dass heute ein Highland für Whiskykenner ist. Gäste haben hier die Möglichkeit einen Einblick in das Leben von Tommy und seinem Bruder zu nehmen. (Original-)Zeichnungen von Charles C. Doig und eine umfangreiche Dokumentation des Blended Whisky`s des Hauses Dewar’s runden den ersten Teil des Besuchs ab.

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Danach folgt ein Rundgang durch die Produktion. Der Höhepunkt ist die Besichtigung des Stillhouse. Die Wärme der laufenden Pot Stills und die malzigen Gerüche hinterließen bei den Mitgliedern des Whisky Club Nordhausen einen emotionalen Eindruck. Im Anschluss folgt ein Rundgang durch die Lagergebäude. Hier kann man die „schlafenden“ Fässer bewundern und die vielen Autogramme der Gäste auf diesen. Der Führer des Rundgangs berichtete davon, dass auch schon der englische Singer-Songwriter Ed Sheeran hier gewesen sei und vor lauter Begeisterung vom Aberfeldy-Whisky sich ein Tattoo auf den Oberarm stechen ließ, was aber keiner sehen kann, da es immer von einem Ärmel überdeck sei. Ob es sich hierbei um den berühmten schottischen Humor oder um eine Tatsache handelt, muss jeder für sich entscheiden.
Den Abschluss bildet ein Tasting im Besucherzentrum bei dem der Gast entweder einen Aberfeldy oder einen Dewar`s Blend verkosten kann. Das Erstaunliche dabei ist, wie groß doch die Unterschiede zwischen den beiden Whiskymarken sind, obwohl ein erheblicher Teil des Blend`s von Aberfeldy stammt. Aber gerade der rauchige Anteil des Blend`s harmoniert perfekt mit dem honigsüßen Tropfen von Aberfeldy.
Abschließend bleibt festzustellen, eine Stippvisite bei Aberfeldy hinterlässt immer einen bleibenden Eindruck. Wir kommen gern wieder.
L. E.