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Springbank Destillerie – Leidenschaft und museale Tradition im 21. Jahrhundert

Die Springbank Destillerie liegt in Campbeltown, einer etwa 5.000 Einwohner zählenden Ortschaft auf der schottischen Halbinsel Kintyre. Früher stand die Region für den Schiffsbau und Fischfang, heute für erstklassigen Whisky.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Halbinsel Kintyre als separate Whiskyregion geführt, bekannt unter dem Synonym „Campbeltown“. Mitte des 19. Jahrhundert waren in und um die Ortschaft herum wenigsten 34 Destillerien in Betrieb. Das große Destilleriesterben, ausgelöst durch die Prohibition in den Vereinigten Staaten der 1920er Jahre, raffte fast alle hinüber. Nur Springbank und Glen Scotia überlebten – mehr schlecht als recht. Dies änderte sich erst erst Ende der 1980 bzw. Anfang der 1990er Jahren, als ein Whiskyboom einsetzte, der bis heute anhält. Im Jahr 2000 gesellte sich die Glengyle Destillerie hinzu. Federführend bei der Neugründung war die Springbank Destillerie, welche sie noch heute unter ihren Fittichen hat. Diese drei Destillerie bilden die Whiskyregion Campbeltown. Eigentlich zu wenig, um als eigenständige Region geführt zu werden. Entscheidend dafür, dass sich der Campbeltown-Malt dennoch etablieren konnte, waren die ähnlichen Charaktere der Whiskys. Die Meinung ist nicht unumstritten. Der Verfasser dieser Zeilen ist der Auffassung, dass dies sehr wohl zutrifft. In allen Abfüllungen finden sich grasig-honigtönige Noten, welche eine ganz eigene Melange mit den ortstypisch salzig-maritimen Noten eingehen.
Springbank selbst wird oft als Museum bezeichnet. Die allermeisten Arbeitsschritte werden noch heute von Hand ausgeführt. Sogar das zeit- und kostenintensive Mälzen praktiziert Springbank vollständig vor Ort. Computer finden sich ausschließlich in der Verwaltung des Unternehmens, nicht in der Produktion. Gerüchten zufolge beschäftigt die verhältnismäßig kleine Springbank Destillerie mehr Mitarbeiter als der Whiskyriese Glenfiddich. Der Destillationsprozess ist ebenfalls außergewöhnlich. Das Herzstück der Destillation wird zweimal, der Nachlauf aus dem ersten Brennvorgang wird gesammelt und dreimal gebrannt. Man spricht von einer zweieinhalbfachen Destillation.
Neben der Marke Springbank werden auch die Marken Longrow und Hazelburn hergestellt. Die Namen stehen für zwei geschlossene Campbeltown-Destillerie. Longrow gab 1896 und Hazelburn 1925 auf. Beim Longrow handelt es sich um die getorfte Variante. Der Hazelburn hingegen wird dreifach gebrannt.
Der Run auf den Whisky von Springbank ist ungebrochen. Speziell die 15-jährige Abfüllung ist bei Liebhabern heiß begehrt, zumal diese jährlich nur in kleinen Chargen lanciert wird. O-Ton eines Mitglieds vom Whisky Club Nordhausen bei der Verkostung auf der diesjährigen Whiskymesse Tarona (Erfurt): „Ein unglaublich eleganter und tiefgründiger Whisky. Einfach wahnsinnig gut!“.
Die Preisentwicklung spiegelt die Popularität wider. 2016 wurde diese Abfüllung für etwa 65 €, im September 2020 bereits für etwa 80 € geführt. Ein heißer Tipp für Liebhaber ist die ebenfalls jährlich lancierte 12-jährige, fassstarke Abfüllung. 2019 noch für deutlich unter 60 € zu haben, liegt diese heute bei etwa 70 € je Flasche – sofern man diese überhaupt bekommt. Leidenschaft hat halt seinen Preis!
L. E.