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Schottlands Whisky – das Leben im Königreich Schottland

Die Entstehung des Whiskys in Schottland geht auf einen heute sehr bekannten, in der damaligen Zeit vermutlich weitgehend unbekannten, Mönch John Cor aus der Lindores Abbey im Kingdom of Fife, und seinem König James IV zurück. Mit der noch heute vorhandenen Verbriefung aus dem Jahr 1494 wies König James IV an: „To Brother John Cor, by order of the King, to make aqua vitae VIII bolls of malt.” — Exchequer Rolls 1494–95, Vol x, p. 487. …”. Bruder John hatte damit die Aufgabe aus 8 Boll gemälzter Gerste einen Gerstenbrand herzustellen, mit dem man nach heutiger Schätzung etwa 35 Kisten Whisky destilliert werden konnten.
Die Besonderheit bei dieser Order war, dass der König anwies, einen Brand aus gemälzter Gerste – und nicht aus Weintrauben – herzustellen. Im Laufe der Zeit erhielt Bruder John nachweislich weit über 1.000 £ Malz zur Herstellung von Destillaten. Dies belegt, dass dieser den Brand von Alkohol wohl in größerem Umfang betrieb und damit erhebliches Wissen bei der Destillation besaß.
In der Order bezeichnete König James IV den bestellten Gerstenbrand als „Lebenswasser“, lateinisch „aqua vitae“. Die Art der Bezeichnung überrascht nicht, da zu jener Zeit Latein zum Wissensstand der gebildeten Bevölkerungsschicht der damaligen Zeit gehörte. Zu dieser zählte auch der König James IV. Es ist überliefert, dass er zehn Sprachen beherrschte, dazu gehörten Schottisch, Englisch, Latein, Französisch, Deutsch, Italienisch, Flämisch, Spanisch, Dänisch und auch Schottisch-gälisch. Es ist auch belegt, dass James IV der letzte schottische Monarch war, der alte keltischen Sprachen das schottische Gälisch sprach. Noch heute werden in Teilen Schottlands, insbesondere auf Inseln der Inneren und Äußeren Hebriden, im Westen der schottischen Highlands sowie in Glasgow schottisches Gälisch gesprochen.
James IV hatte indes viele Interessen, dazu gehörten neben der Architektur, auch Medizin sowie Alchemie, wobei im 17. Jahrhundert zwischen diese kaum unterschieden wurde. Der König vertiefte sich soweit darin, dass er sich im Stande glaubte, selbst medizinische Eingriffe vorzunehmen. Nachweislich zog er selbst einem Höfling einen Zahn. Für diesen bleibt zu hoffen, dass dies auch medizinisch begründet war. Der König förderte nebenher auch Alchemisten, wie John Damian, denn er beauftragte das Elixier des Lebens zu brauen, was ihm bekanntlich leider nicht gelang. In diesem Zusammenhang bleibt es letztendlich Spekulation, ob der König dem Alchemisten das Lebenswasser „aqua vitae“ für seine Experimente zur Verfügung stellte, ob er das Lebenswasser selbst zu medizinische Zwecke oder dieses zur Entspannung nutzte. Die Wahrheit liegt – wie so oft – vermutlich in allem.
Das Königreich Schottland war zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine vorindustrielle Gesellschaft. Weite Teile des Lands waren durch die besondere Topografie des Landes nur dünn besiedelt. Die überwiegend ländliche Bevölkerung erwirtschaftete ihren Lebensunterhalt fast ausschließlich durch Viehzucht oder Ackerbau.
Die rauen Lebensumstände verlangten der ländlichen Bevölkerung viel ab. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes zu jener Zeit lag deutlich unter 40 Jahren. Zur Stärkung der Lebensfreude ersann man vielerlei Möglichkeiten zur Stärkung. Beispielsweise nutzten die Schotten die Überschüsse der Getreideernten und brannten in Kleinstanlagen mehr oder weniger reine Destillate zur Eigennutzung. Jene dienten ihnen anfänglich als Medizin, schnell blieben ihnen jedoch auch die wärmende und (je nach Dosierung) berauschende Wirkung der Destillate natürlich nicht verborgen. Diese stellte einen wohltuenden Gegenpol zur harten Feld- und Vieharbeit war.
Nach und nach wurden die Destillate so zu einem wesentlichen Bestandteil der schottischen Lebenskultur. Leider litt darunter nicht selten die tägliche Arbeit, was auch der herrschenden Monarchie nicht verborgen blieb. In ihrer fortwährenden Suche nach neuen, lukrativen Steuereinnahmen beschloss sie die Besteuerung des Alkohols, mithin des Whiskys. Dies begann im Jahr 1643 mit der Gründung einer Behörde „Board of Excise“ zur Besteuerung des Verbrauchs der Bevölkerung durch das englische Parlament. Die Verbrauchsbesteuerung beschränkte sich zunächst auf das Wirkungsgebiet des englischen Parlaments, dem Königreich England. Schon im folgenden Jahr machte das Beispiel zur Optimierung der Steuereinnahmen auch in Schottland Schule. Die Steuereinnahmen sollten zur Finanzierung der von König Charles I (*19. November 1600; †30. Januar 1649) geplanten Kriege dienen. Bei denen in den Jahren 1644 bis 1651 geführten Kriegen waren dabei Irland und England ausgewiesene Kriegsgegner Schottlands. In die Geschichte gingen diese Kriege, als die „Kriege der drei Königreiche“ ein.
Die militärischen Auseinandersetzungen und die zu diesem Zweck initiierte Erhöhung der Steuerlast schröpfte die schottische Bevölkerung nachhaltig. Ein jeder war gezwungen sich mit dem Nötigsten über Wasser zu halten. Die in dieser Zeit neu erhobenen Steuern auf Alkohol veranlassten viele Bürger, den als Bestandteil der schottischen Lebenskultur etablierten Brand des Whiskys, kurzerhand zu unterschlagen. Man brannte fortan schwarz.
L. E.