Foto:WCN

Dalmore Destillerie – Richard „The Nose“ Paterson Whiskyheimat

Etwa eine halbe Autostunde nördlich von Inverness liegt direkt am Cromarty Firth die Dalmore Destillerie. Von dieser genießt man einen herrlichen Blick auf den Meeresarm, nur die hier gebauten oder gewarteten Ölplattformen irritieren den Blick und geben einen verstohlenen Hinweis darauf, dass unser Ökosystem von fragiler Natur ist.
Für Whiskyenthusiasten hat diese Gegend genau das, was sie lieben: gute Luft, sauberes Wasser und himmlische Ruhe. Auch Alexander Matheson wusste dies und gründete 1839 Dalmore. Gerüchten zufolge soll er das Geld dafür aus einem illegalen Opiumhandel in Asien bezogen haben. Aber anstatt diese selbst zu betreiben, verpachtete er sie an die Familie Sunderland. 1960 wurde die Dalmore-Whyte & Mackay Ltd. aus dem Zusammenschluss der Mackenzie Brothers (Dalmore) Ltd. – unter dem die Mackenzie-Brüder mittlerweile firmierten – und der Whyte & Mackay Ltd. gegründet. 1990 kaufte American Brands Whyte & Mackay die Destillerie und änderte dessen Namen 1996 in JBB (Greater Europe). Durch die Übernahmen der Mehrheit des Kapitals von den bisherigen Eigentümern wurde die Firma 2001 von Fortune Brands gekauft und in Kyndal Spirits umbenannt. Seit 2002 heißt das Unternehmen Whyte & Mackay. 2007 wurde das Unternehmen inkl. deren Destillerien, zu denen neben Dalmore auch die Isle of Jura, Fettercairn und Tamnavulin Distillery gehörte, für 595 Millionen GBP von United Spirits Limited, einer Tochter der indischen The UB Group gekauft. Kartellrechtliche Gründe zwangen das Unternehmen, die Tochter Whyte & Mackay am 31. Oktober 2014 für 430 Millionen GBP an die philippinische Emperador Inc. zu verkaufen.
Die besondere Art und Schwere des Dalmore Whiskys schätzt besonders eine Person, welche die Herstellung, Reifung und Abfüllung seit Jahrzehnten im Auge – vielleicht sollte man besser sagen – in der Nase hat. Diese ist Richard „The Nose“ Paterson (*1949). Sein Markenzeiche ist sein äußerst gepflegtes Auftreten, immer mit Anzug, Krawatte und passendem Einstecktuch, welche er wohl als Arbeitskleidung auch in den schmutzigsten Ecken der Warehouses von Whyte & Mackay trägt. Sein stets pikfeines Auftreten und nicht zuletzt sein Schnurrbart erinnert den Verfasser dieser Zeilen irgendwie an die Darstellung des Agatha Christie`s Hercule Poirot durch David Suchet.
Wie dem auch sei, sein berühmtestes Zitat und dem in diesem enthaltenen schottischen Humor wird gern auf jedem Tasting des Whisky Club Nordhausen memoriert: „Hello, how are you, quite well, thank you very much.“ – „Hallo, wie geht`s, ganz gut, vielen Dank.“
Der Ruf von Dalmore bei eingefleischten Whiskyfans ist ungebrochen. Immer wieder wird eine Flasche Dalmore für einen außerordentlichen Preis verkauft, so zum Beispiel geschehen im September 2011 als ein chinesischer Geschäftsmann in einem Duty-Free-Shop des Singapurer Changi Flughafens eine von nur 12 abgefüllten Flaschen eines Dalmore 62 Jahre für etwa 145.000 Euro erstand. Erstaunlich ist, dass unter den sieben teuersten jemals verkauften Flaschen (die Aussage bezieht sich auf das Jahr 2019) allein drei aus dem Haus Dalmore stammen.
L. E.