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Laphroaig Destillerie – Liebe auf den zweiten Blick

Der Whisky von Laphroaig, von der schottischen Insel Islay, war und ist für Kenner etwas Besonderes. Am treffendsten beschreiben dies die Werbeslogans der Destillerie aus den 1980/90er Jahren. „Your first Glass may also be your last.“ (zu Deutsch: “Ihr erstes Glas, kann auch Ihr letztes sein“) oder “Fish Oil or Pear Fruit? Let your Tongue decide.” (zu Deutsch: “Fischöl oder Birnenfrucht? Lass deine Zunge entscheiden.“) oder auch: “Love it or hate it“ (zu Deutsch: “Liebe es oder hasse es.“) sprechen für den typisch schottischen Humor und einer enormen Portion Selbstbewusstsein.
Der darin erwähnte Begriff „Liebe“ steht im Allgemeinen für uneingeschränkte Zuneigung und Wertschätzung. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich noch lebhaft an seinen ersten „Kontakt“ mit dem Whisky von Laphroaig erinnern. Zum Ende eines kurzweiligen Tastings stellte der Referent einen Laphroaig 10 Years mit den Worten vor: „An diesen Whisky werden Sie sich morgen früh beim Zähneputzen noch erinnern.“ Was dann kam, kann wohlwollend als „erschreckend“ bezeichnet werden. Das Aroma: irgendetwas zwischen Asche, verkohltem Fleisch und Desinfektionsmittel. Der Geschmack eine Melange aus Teer, Fischöl und Jod. Liebe oder auch nur Zuneigung auf den ersten Blick? Undenkbar!
Aber schon wenige Monate später fand eine Flasche des besagten Whisky`s Eingang in die private Bar des Verfassers. Warum? Ganz einfach: Weil Laphroaig etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches ist! Denn Laphroaig hat sowohl im Aroma als auch im Geschmack eine unendliche Vielfalt zu bieten. Ist der erste, oft irritierende Eindruck verfolgen (besser gesagt „überwunden“), sind delikat eingebundene Früchtearomen im scheinbar vorhandenen Lagerfeuerrauch zu finden. Keine andere Destillerie auf der Welt versteht es, ein solches Geschmackspotpourri in ein Glas zu zaubern.
So außergewöhnlich der Whisky, so bewegend ist auch die Geschichte von Laphroaig. Gegründet 1815 von den Brüdern Donald und Alexander Johnston, trennten sich die Brüder bereits 1836. Donald zahlte Alexander aus. Dieser wanderte mit seinem Anteil nach Australien aus und lebte dort – soweit bekannt – bis 1881. Donald hatte weniger Glück. 1847 fiel er in einen Kessel mit kochendem Ale (eine Art „Bier“) und ertrank. Daraufhin führten seine Kinder und Enkelkinder das Geschäft fort. 1921 übernahm ein Urenkel Donald Johnston, Ian Hunter, die Destillerie. Fortan kam Schwung in den Laden. Als erstes kündigte Hunter seinem mehr als 70 Jahre langen Malzlieferanten Mackie & Co.. Pikanterweise war dieser bei Lagavulin Destillerie ansässig, nur wenige hundert Meter von Laphroaig entfernt. Der Whiskyautor Sir Robert Bruce Lockhart beschrieb den Inhaber Peter Mackie (später „Sir“) als „… genial, exzentrisch mit einem guten Schuß Großmannssucht.“. Damit machte auch Hunter Bekanntschaft. Mackie war derart ungehalten über dessen Kündigung, dass dieser nach einem ersten juristischen Tauziehen – dem Mackie unterlag – versuchte, die Wasserzufuhr zu Laphroaig zu kappen. Als auch das misslang warb er Mitarbeiter von Laphroaig ab, um deren Whisky zu kopieren, was ebenfalls nicht gelang.
Der Auffassung, dass Laphroaig einzigartig war und ist, schloss sich auch der Prince of Wales, HRH Prinz Charles, an. Dieser liebte die 15-jährige Abfüllung (die heute leider nicht mehr lanciert wird) und verlieh Laphroaig bei einem Besuch im Jahr 1994 persönlich sein „Royal Warrant“, welche noch heute jede Abfüllung ziert.
L. E.