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Glen Moray Destillerie – im Schatten der Stars

Östlich von Inverness liegt Elgin. Die Stadt ist mit etwa 23.000 Einwohnern – für schottische Verhältnisse – fast schon eine Großstadt. Gleichzeitig ist die Stadt ein Zentrum des schottischen Whiskyhandels, obwohl sich hier nur eine einzige Destillerie angesiedelt hat – die Glen Moray Distillery. Der Ruf gründet eher darauf, dass der bekannteste Independent Bottler Schottlands – Gordon & MacPhail – seit 1895 dort ansässig ist. Das Ladenlokal von Gordon & MacPhail in der South Street ist für Whiskyenthusiasten zwar nicht der Nabel der Welt, aber sie sind so nah daran, dass sie ihn von dort aus sehen können. Das heißt, man sollte als eingefleischter Whiskyfan zumindest einmal im Leben diesen Laden betreten haben.
Ungeachtet dessen ist es gerade Gordon & MacPhail – mithin der Unternehmerfamilie Urquhart – zu verdanken, dass in der Vergangenheit der Single Malt an sich nie ganz verschwunden war. So waren es auch Gordon & MacPhail, die kurz nach der Gründung von Glen Moray im Jahr 1897 ihren Teil dazu beitrugen, dass die neu gegründete Destillerie nicht im ruinösen Strudel des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts unterging.
Der Gebäudekomplex der Destillerie liegt in einer Senke zwischen zwei Flussarmen des River Lossie. Leider führte in der Vergangenheit diese Lage häufig dazu, dass sobald der Lossie Hochwasser führte, Teile der Destillerie überschwemmt wurden und die Produktion und die Lagerung über Wochen nur schwer aufrecht zu erhalten waren oder eingestellt werden mussten.
Auf den Besucher macht der Gebäudekomplex irgendwie einen ungeordneten Eindruck. Zudem ist auf den ersten Blick nicht klar, wo was ist – von den Lagergebäuden einmal abgesehen. Auch erschließt sich nicht, wo die Destillerie eigentlich beginnt. Erst wer direkt vor dem Besucherzentrum steht, kann sich sichern sein, dass er angekommen ist. Dieser erste, verwirrende Eindruck lässt sich vielleicht damit erklären, dass der Gebäudekomplex ursprünglich nicht als Whiskydestillerie, sondern ab 1831 als Ale-Brauerei – namens Elgin West Brewery – betrieben worden ist.
Die Eigentümer der Brauerei – Robert Thorne & Sons – entschlossen sich Anfang der 1890iger Jahre auf das Abenteuer der Whiskyherstellung einzulassen. Die Gründung selbst geht offiziell auf die von den Eigentümern der Brauerei ins Leben gerufene Glen Moray Glenlivet Distillery Co. Ltd. zurück.
Ausgelöst durch die Pattison-Pleite ab Dezember des Jahres 1898, kam die Whiskybranche in Schottland und mit ihr die damals noch jungfräuliche Glen Moray Distillery in stürmisches Fahrwasser. Die Produktion konnte jedoch bis 1910 – nicht zuletzt durch die tatkräftige Unterstützung von Gordon &a MacPhail – aufrechterhalten werden. 1912 wurde sie für kurze Zeit wiedereröffnet, blieb aber danach bis 1923 geschlossen. 1920 wurde Glen Moray von Macdonald & Muir Ltd. übernommen, die bereits zwei Jahre zuvor bereits Glenmorangie gekauft hatten. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs war die Destillerie stillgelegt.
1996 nannte sich Macdonald & Muir Ltd. in Glenmorangie plc. um und wurden im Oktober 2004 vom Luxuswarenkonzern Louis Vuitton Moët Hennessy übernommen. Nur Glen Moray und dessen Whisky waren und sind kein stilisierter Luxus. So wundert es wenig, dass sie im September 2008 an La Martiniquaise verkauft wurde.
L. E.