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Erzwungenes (Corona) Singletasting

Ein Sprichwort sagt, in düsteren Zeiten vertreibt Hoffnung auf Veränderung trübe Gedanken. Diese gründet auf dem Wissen um den stetigen Wandel der Welt. Heißt nicht`s anderes, nach schlechten kommen auch wieder gute Zeiten. Daher gilt es – auch wenn es bei einer ungeplanten sozialen Isolation schwer fällt – den Kopf nicht in den Sand zu stecken und DURCHZUHALTEN. Nur in einer solchen Zeit den Whiskygenuss mit Gleichgesinnten zu teilen ist fast ausgeschlossen. So bleibt den Connaisseurs nur die Reise im „Geiste“ zu einer Destillerie seiner Wahl – selbstverständlich mit dem üblichen Tasting am Ende. Klingt schizophren? Ist es aber nicht!

Bei angenehmen Außentemperaturen eignet sich zur stimmungsvollen Untermalung eine Feuerschale. Also raus, Schale bestückt, angezündet und schon kann`s losgehen. Beim Whisky fällt die Wahl auf einen der „alten Schule“ – ein Craigellachie 13 Years. Zum Genuss und zum besseren Verständnis des Whiskys – und als kleiner Tipp zum Durchhalten in diesen Tagen – hilft ein Blick in die Geschichte gerade dieser Destillerie.
Die Gründung geht auf das Jahr 1891 und auf zwei der wichtigen Persönlichkeiten der Schottischen Whiskyindustrie des 19. Jahrhunderts zurück – Alexander Edwards und Peter Mackie. Zu dieser Zeit dauerten der Bau und die Inbetriebnahme einer neuen Destillerie etwa zwei Jahre. Erstaunlicherweise soll bei Craigellachie aber erst im Jahr 1898 der erste Whisky gebrannt worden sein, obwohl der Whisky-Journalist Alfred Barnard bereits 1893/94 diese besuchte und eine Verkostung vornahm. Wie dem auch sei, am Boden jeder Flasche von Craigellachie ist jedenfalls die Jahreszahl 1891 eingeprägt.
Das Jahr 1898 ging auch dadurch in die Geschichtsbücher der Whiskybranche ein, da im Dezember desselben die betrügerischen Machenschaften der Firma Pattison, Elger und Co. aufflogen. Im Folgenden brach deren Aktienkurs ein und brachte die Whiskybranche ins schlingern. Im Folgejahr kam der Absatz von Whisky aus Schottland vollständig zum Erliegen. Der Pleitestrudel begann sich immer schneller zu drehen und erfasste nicht wenige Destillerien. Nicht so Craigellachie! Mackie blieb standhaft und erlag nicht der Versuchung die Flinte ins Korn zu werfen und Destillerie in den Bankrott zu schicken. Er wusste, dass der dort produzierte Whisky etwas Besonderes war.
Nachdem die Branche sich Anfang des 20. Jahrhunderts wieder stabilisiert hatte, übernahm Mackie 1916 schließlich Craigellachie vollständig.

Um die Qualtäten des Craigellachie zu erfahren, eignet sich die 13-jährige Abfüllung bestens. Diese weist eine angenehme Süße in Kombination mit angenehmer Öligkeit auf. Dabei fällt auch eine kräftige Rauchnote auf, welche ein wenig an abgebrannte Streichhölzer erinnert – oder ist es die brennende Feuerschale vor der Nase? Wie dem auch sei, auch ein erzwungenes „Corona Singletasting“ kann (ersatzweise) ein probates Mittel sein, die Zeit der Isolation zu überbrücken.