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Daftmill Destillerie – Francis & Ian Cuthbert Traum vom eigenen Whisky

Die Daftmill Destillerie der Brüdern Francis & Ian Cuthbert liegt außerhalb der Ortslage von Cupar, etwa 12 Meilen südwestlich von St. Andrews. Sie ist eine typische Farmbrennerei, wie sie zu Beginn des 19. Jahrhundert überall in Schottland gab. Die steinernen Farmgebäude sind bereits über 200 Jahre alt. Sie wurden ursprünglich als Hafer-Mühle genutzt, für die es aber schon Anfang des 20. Jahrhunderts keine Verwendung mehr gab. Die Mühle war schon lange außer Betrieb – schon in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Mühlsteine entfernt – bevor die Familie Cuthbert die von ihr bewirtschaftete Farm „Pitlair Estate“ im Jahr 1984 samt der Mühle von Sir William Walker kauften konnte. Zu diesem Zeitpunkt bewirtschaftete die Familie die Farm schon in der 6. Generation.
Um die Jahrtausendwende hatten die Brüder Cuthbert den Wunsch, ihren eigenen Whisky zu herzustellen. So beschlossen sie, im Nebenerwerb sich auf das Abenteuer einzulassen. 2003 wurde die erforderliche Baugenehmigung zur Umnutzung der Farmgebäude beantragt. Die Lizenz zum Destillieren wurde am St Andrews Day 2005, den 30. November, von zuständiger Behörde HM Majesty’s Revenue & Customs erteilt. Damit gehört die Destillerie bei der Gründung im Jahr 2005, neben Auchentoshan, Bladnoch und Glenkinchie, zu den vier produzierenden Destillerien im schottischen Lowland.
Am 16. Dezember 2005 wurde das erste Destillat in Fässer abgefüllt. Origineller weise existiert ein Foto, bei dem nicht die Brüder eines der ersten Fässer des Jahrgangs 2005 befüllen, sondern deren Mutter.
Verantwortlich für die Herstellung des Whiskys ist Francis Cuthbert. Er erwarb sich sein Wissen überwiegend in Do-It-Yourself-Manier, zunächst aus Büchern, später an der Bladnoch Whisky School. Der Whisky wird, nach guter alter Manier ohne Computer hergestellt. Seit der Inbetriebnahme wird nur an zwei Terminen im Jahr Whisky gebrannt, im Mittsommer und im Winter. In dieser Zeit ruht die Bewirtschaftung der Felder und der Inhaber hat die Muße sich der Whiskyherstellung zu widmen.
Der Name „Daftmill“ bedeutet so viel wie „verrückte Mühle“. Die Bezeichnung spielt auf den in der Nähe fließenden Bach an. Die Einheimischen nennen ihn „Daft Burn“ – „verrückter Bach“, weil dieser den Eindruck erweckt, auf eine Anhöhe hinauf zu fließen, anstatt hinunter.
Die meisten Einrichtungen der Produktion wurden von regionalen Handwerkern hergestellt. Dazu gehören jedoch nicht die beiden Brennblasen, welche von der Firma Forsyths aus Rothes stammen. Die Reifung des Destillats erfolgt in verschiedenen vorbelegten Fässern. Dabei werden neben Ex-Sherry- und Ex-Bourbon-Fässer auch Teile des Destillats in Rum-Fässern eingelagert. Die Bourbon Fässer stammen aus der Heavenhill Destillerie in Kentucky.
Die Brüder Cuthbert standen in den ersten Betriebsjahren unter keinem massiven Umsatzdruck, da sie die Destillerie nur im Nebenerwerb führten. So konnten sie sich mit der Reifung des Whiskys Zeit lassen. Andere Destillerien füllen in diesen Jahren aus Finanzknappheit, sobald die Mindestreifezeit von 3 Jahren erreicht ist, ihren ersten Whisky ab. Noch andere sehen sich sogar veranlasst das Destillat ohne Reifung anzubieten und versagen sich somit selbst den Erfolg eines lang gereiften Whiskys. Noch im Jahr 2017 Jahre erklärte Francis Cuthbert auf die Frage, wann der erste Whisky abgefüllt werden wird: „It’s ready when it’s ready“ – „Er ist fertig, wenn er fertig ist.“.
Die 12jährige Inaugural Release (zu Deutsch „Erstveröffentlichung“) „Daftmill 2005 – 12 Years“ wurde im Mai 2018 aus 3 Fässern, Nr. 02, 03 und 07 fassstark in einer schlanken transparenten Flasche abgefüllt. 2019 füllte Daftmill einen „Daftmill 2006 / Taiwan Export“ ab. Der Whisky stammt aus dem Bourbon-Barrel mit der Nr. 048/2006. Der taiwanesische Importeur Hochen Yao wählte diesen Whisky zur Erstveröffentlichung auf dem taiwanesischen Markt aus. Die Flasche erhielt anstatt der grünen Kunststoffkappe einen grünen Wachsüberzug.
L. E.