Blair Athol Destillerie - ein bezaubernder Besuch

Blair Athol Destillerie – ein bezaubernder Besuch

Etwa fünfzig Autominuten nördlich von Perth liegt unweit der A9 die Blair Athol Distillery. Die Destillerie liegt nicht wie man annehmen könnte direkt im Örtchen Blair Atholl (dieses wird übrigens mit zwei „l“ geschrieben), sondern etwa sechseinhalb Meilen südöstlich am Stadtrand von Pitlochry.
Äußerlich besticht Blair Athol mit seinen grauen trutzig wirkenden Natursteinfassaden, an denen üppiges Grün emporrankt, welches damit den Gebäuden ein wildromantisches Aussehen gibt. Die roten Türen und Fensterrahmen bilden dazu den farblichen Akzent. Genauso stellen sich viele Whiskyverblendete – da möchte sich der Verfasser dieser Zeilen nicht ausnehmen – eine schottische Whiskydestillerie vor. Schon beim Anblick spürt man die Wärme der Pot Stills, riecht förmlich die aus den Gärbottichen aufsteigenden Dämpfe und freut sich auf eine Verkostung nach der Besichtigung. Zur Perfektionierung des Markenauftritts wurde 1987 ein Besucherzentrum eröffnet, in dem ein aufgeschnittener Pot Still als Tastingbar dient.

Foto:WCN

Diese äußerlich sehr ansehnliche Destillerie wurde 1798 durch John Stewart und Robert Robertson gegründet. Jedoch nicht als Blair Athol, sondern als Aldour Distillery. Der Name bezieht sich dabei auf die Wasserquelle namens Allt Dour Burn, was auf Schottisch-gälisch so viel bedeutet wie „(der) Bach des Otters“ oder „Otterbach“. Darauf bezieht sich auch das Label der Flora & Fauna Abfüllungsreihe des Mutterkonzerns Diageo, indem sie einen Otter darauf abbilden.
Die Aldour Distillery hatte leider keinen großen Erfolg und schloss schon bevor John Robertson, vermutlich ein Anverwandter von Robert Robertson, die Destillerie 1826 wiedereröffnete. Dieser tauft sie auf den Namen Blair Athol, was im Schottischen so viel bedeutet wie „Moor von Athol“. Ein Hinweis darauf, wie die Umgebung vor etwa 200 Jahren beschaffen war. Bereits ein Jahr danach wird Blair Athol von Alexander Connacher übernommen. Entgegen dieser Darstellung hat der Whisky-Journalist Barnard nach seinem Besuch der Destillerie im Jahr 1886 davon berichtet, dass die Destillerie erst im Jahr 1826 von einem Herrn Conacher – mit einer etwas anderen Schreibweise – gegründet worden ist. Belegt ist jedoch, dass Connacher sowie seine Nachfahren die Destillerie bis um das Jahr 1882 führten und diese dann an Peter Mackenzie verkauften. Barnard dokumentiert im Jahr 1886, als Eigentümer P. Mackenzie & Company.
Im Jahr 1932 wird die Destillerie geschlossen, was vermutlich nicht zuletzt auf die Prohibitionsjahre in den Vereinigten Staaten zurückzuführen war, bei der die Herstellung, der Transport und des Verkauf von Alkohol verboten war. Im Jahr 1933 nahm sich Arthur Bell & Sons Ltd. der Destillerie an und retteten diese vor der Schließung, nicht zuletzt, weil der Whisky von Blair Athol bereits lange Bestandteil der Blends von Arthur Bell & Sons Ltd. war. Realisiert wurde die Übernahme durch den Kauf von P. Mackenzie & Co. in Edinburgh, womit Arthur Bell & Sons Ltd. in die vorderste Reihe der Whiskyproduzenten Schottlands aufrückte. Der Kauf umfasste neben der Blair Athol auch die Dufftown Distillery.
Arthur Bell & Sons Ltd. ließen die Produktion nach der Übernahme in den 1930er Jahren und in der Kriegszeit ruhen. Erst Ende der 1940er Jahre wurde Blair Athol umgebaut und modernisiert und im Jahr 1949 wiedereröffnet. Im Jahr 1985 kaufte United Distillers & Vintners, Tochterunternehmen von Grand Metropolitan, das Unternehmen Arthur Bell & Sons Ltd. inkl. Blair Athol, so dass sie durch die Fusion mit Guinness im Dezember 1997 zu Diageo kam.
Blair Athol gilt als die „spirituelle Heimat“ des „Bell`s Blended Scotch Whisky“.
L. E.