Ben nevis

Ben Nevis Destillerie – John „Long John“ McDonald traditioneller Highland-Whisky

Nordwestlich von Inverlochy liegt am Fuß des Ben Nevis, die gleichnamige schottische Destillerie. Die Gründung geht auf das Jahr 1825 zurück. Viele Quellen behauten, dass John „Long John“ McDonald (*1799, †1856) die Destillerie gegründet hat. Vermutlich trifft dies aber nicht zu, denn bis 1830 wurde Angus McDonnell Eigentümer von Ben Nevis. Erst 1830 wurde Long John Partner von McDonnell und kaufte ihm im darauffolgenden Jahr dessen Anteil für 1.200 GBP ab. Wahrscheinlicher ist, dass der damals 26-jährige MacDonald – der aus einer Bauernfamilie stammt – bei der Gründung und beim Aufbau der Destillerie zwar beteiligt war, aber finanziell wenig dazu beitragen konnte. Fest steht, dass er ab 1831 alleiniger Eigentümer der Destillerie war.
Long John war – soweit bekannt – eine beeindruckende Gestalt. Er war sowohl groß als auch kräftig gebaut. Damalige Quellen schätzen seine Größe auf „6ft 4in“, was heute etwa eine Größe von 1,94 m entspricht. Was heute Groß erscheint, war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts riesig. Denn Frauen wurden durchschnittlich 1,55 m und Männer 1,67 m groß. Vermutlich überragte Long John alle.
Bis 1840 wurde Long John, mit seiner gleichnamigen Marke „Long John’s Dew of Ben Nevis“, inner- und außerhalb Großbritanniens bekannt. Stetig wuchs die Produktion, wofür ständig neue finanzielle Mittel erforderlich waren. Anfang der 1850er Jahre waren die finanzielle Engpässe bei Ben Nevis immer deutlicher zu spüren. Um 1856 war Long John bankrott, kurze Zeit später starb er.
Mit gerade einem 21 Jahren erwarb Donald Peter MacDonald (*1835, †1891) aus der Insolvenzmasse die Destillerie und deren Lagerbestände. Zum weiteren Ausbau der Produktion gründete er 1878 die Nevis Distillery. Als Donald Peter 1891 starb hinterließ er ein beträchtliches Vermögen von etwa 110.000 GBP.
1911 wurde die Label „Long John“ an den Wein- und Spirituosenhändler WH Chaplin & Co verkauft. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Label nicht mehr als Single Malt, sondern nur noch als Blend produziert. Der kanadischen Millionärs Joseph W. Hobbs kaufte 1955 die Destillerie und ließ einen Patent Still einbauen, so dass ab diesem Zeitpunkt sowohl Malt auch Grain Whisky produziert wurde. Dieser Versuch wurde jedoch nach wenigen Jahren beendet, 1971 wurde dieser wieder entfernt. 1978 wurde die Produktion eingestellt. Nach dem Tod seines Vaters, Joseph W. Hobbs, verkaufte 1981 dessen Sohn Joseph Hobbs jr. die Destillerie an Long John Distillers und Whitbread. Diese nahmen 1984 die Produktion wieder auf, stellte sie aber nur zwei Jahre später wieder ein. 1989 übernahm der japanische Konzern Nikka das Unternehmen und modernisierten die Anlage. Seit 1990 wird durchgehend produziert.
Die ungetorfte Variante von Ben Nevis wird jährlich nur in einer kleinen Auflage als Single Malt mit einem Alter von 10 Jahren herausgebracht. In der Regel ist diese Abfüllungen nur für kurze Zeit bei den bekannten Online-Whiskyhändlern zu bekommen. Die 2020 für etwa 65 € angebotene getorfte Abfüllung „Ben Nevis MacDonald’s Traditional Peated“ ist bei weitem nicht so begehrt. Alles an den Abfüllungen von Ben Nevis ist „old school“. Angefangen vom ölig-kräftigen Whisky, der klassischen Flaschenform und Farbe, dem Label sowie der Umverpackung. Hochinteressant ist zur Zeit (Stand Oktober 2020) der „Ben Nevis 10 Jahre 2008/2018“. Diese fassstarke Abfüllung wurde exklusiv für den größten deutschen Online-Whiskyhändler hergestellt und ist geradezu als Sammlerstück prädestiniert. Nur der Preis von etwa 200 € ist abschreckend hoch.

L. E.