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Balvenie Destillerie – Erfinder des „Finishing“

Die Balvenie Destillerie ist eine der sieben bis Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Destillerien in Dufftown. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Glenfiddich und Kininvie. Eigentümer aller drei Destillerien ist die Familie Grant. Der Gründer von Glenfiddich und Balvenie ist William J. Grant (*18. Dezember 1839, †5. Januar 1923). Dieser errichtete mit seiner Familie – er hatte zwei Töchter und sieben Söhne – fast im Alleingang in den 1880er Jahren Glenfiddich und eröffnete diese 1886. Durch den Whiskyboom zu Beginn der 1890er Jahre war die Destillerie schnell ausgelastet. Grant suchte nach einer Möglichkeit die Produktion zu erweitern, da einer seiner stärksten Konkurrenten, die Glenlivet Destillerie, durch ein Feuer die Produktion einstellen musste. Er entschloss sich Glenfiddich nicht weiter auszubauen, sondern eine neue Destillerie in unmittelbarer Nähe zu errichten. Vermutlich tat er dies, um für die Zukunft seiner Kinder vorzusorgen. Grant nutzte dabei die Überreste des alten Gutshauses „New Balvenie Castle“, welches aber außer dem Namen wenig mit dem etwa eine halbe Meile südlich liegenden Balvenie Castle zu tun hat.
Anfang 1892 begann Grant mit seiner Familie die Bauarbeiten. Für die Produktion wurden ein gebrauchter Pot Still von Lagavulin und einer von Glen Albyn gekauft. Am 1. Mai 1893 nahm Balvenie die Produktion auf. Erst 1957 wurden zwei weitere Stills angeschafft. In den Jahr 1965 und 1971 wurde die Destillerie modernisiert und erweitert.
Das Wasser für die Destillation entspringt noch heute lokaler Quellen, u. a. Robbie Dubh, welches ebenfalls von Glenfiddich genutzt wird. Ebenso werden die Kesselschmiede und Küferei von beide Destillerien genutzt. Eines unterscheidet Balvenie jedoch von Glenfiddich. Noch heute wird etwa 15 Prozent des benötigten Malzes selbst hergestellt.
Der erste Single Malt von Balvenie wurde erst 1973 veröffentlicht. Bis zu diesem Zeitpunkt agierte die Destillerie ausschließlich als Zulieferer der hauseigenen Blends. Der Whisky von Balvenie unterscheidet sich von dem von Glenfiddich erheblich, obwohl diese die gleichen Wasserquellen und diverse Bereich der Herstellung gemeinsam nutzen. Balvenie ist eher malzig-süß, Glenfiddich hingegen blumiger.
Unter dem Malt Master, David C. Steward, entfernte sich Balvenie deutlich von seinem Nachbar Glenfiddich. Eine der wichtigsten Schritte dazu war ab etwa 1982 die Reifung des Whiskys in mehrere Fassarten. Offiziell geht diese Entwicklung auf das Jahr 1993 zurück, da in diesem Jahr das heutige Flaggschiff Balvenie DoubleWood 12 Jahre veröffentlicht wurde. 2018 erhielt der Balvenie DoubleWood 12 Jahre deswegen eine aufgedruckte rote Banderole, die nun auf die 25jährige Tradition hinweist.
Das Verfahren ist so einfach, wie simpel. Beim Balvenie DoubleWood 12 erfolgt zunächst die Reifung in Ex-Bourbonfässern und anschließend in Fässern, in welchen zuvor Sherry reifen durfte. Dieses Verfahren ist heute allgemein als „Finishing“ bzw. „Wood Finishing“ bekannt.
L. E.