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Auchentoshan Destillerie – industrieller Charme Glasgows, modern, mutig und ambitioniert interpretiert

Die Auchentoshan Destillerie liegt etwa 5 Meilen nordwestlich von Glasgow in Old Kilpatrick. Gesprochen wird der Name der Destillerie in etwa: „Ochentoschen“. Auf schottisch-gälisch geht es noch komplizierter „Achadh an t-Oisein“, was auf Deutsch so viel wie „Feldecke“ bedeutet. In den frühen 1970er Jahren machte der Name dem damaligen Eigentümer, Eadie Cairns Ltd., erhebliche Kopfzerbrechen. Alles begann damit, dass dieser beschlossen den boomenden italienischen Markt zu beliefern. Nur hatten die Italiener Schwierigkeiten damit, den Namen auszusprechen – geschweige denn zu merken. Eadie Cairns Ltd. beschloss kurzerhand – ausschließlich für den italienischen Markt – die Abfüllungen unter dem Namen „Glentoshan“ anzubieten. Heute sind diese Abfüllungen echte Sammlerstücke.
Die holperigen Anfänge der Auchentoshan Destillerie gehen auf das frühe 17. Jahrhundert zurück, ohne dass dies abschließend zu belegen ist. Als gesichert gilt, dass sich zu dieser Zeit in unmittelbarer Nähe zum heutigen Standort ein Kloster befand, in dem vermutlich bereits Alkohol gebrannt wurde. Um 1800 errichtete John Bulloch einen Teil der heutigen Destillerie und nannte sie Duntocher Destillerie. 1822 war der Gründer bankrott. Dies war vermutlich der Tatsache geschuldet, dass zu jener Zeit das Schwarzbrennen in Schottland Hochkonjunktur hatte. Diejenigen, die versuchten legal zu brennen wurden von staatlicher Seite aus mit hohen Steuern und von den „netten Kollegen“ mit Brandstiftungen bestraft. Dies änderte sich erst mit einer (weitere) Reduzierung der Steuerlast durch den Existenz Akt von 1823.
Bis zum Zweiten Weltkrieg wechselten sich Phasen des Betriebs und der Stilllegungen ab. Mit der Kapitulation Frankreichs begannen auch in Schottland die deutschen Fliegerangriffe. Im März 1941 traf es die Auchentoshan Destillerie. An einen unmittelbaren Wiederaufbau war aufgrund der Nahrungsmittel- und Baumaterialknappheit nicht zu denken. Erst am 3. Februar 1948 nahm Auchentoshan den Betrieb wieder auf. Nach weiteren Eigentümerwechseln wurde Auchentoshan 1984 an Morrison Bowmore verkaufte, wodurch die Destillerie ab 1994 zum Mutterkonzern Suntory gehörte.
Auchentoshan ist eine der wenigen Destillerie Schottlands, welche dreifach destilliert. Das war nicht immer so. Als der Whisky-Journalist Alfred Barnard 1886 die Destillerie besuchte, waren nur zwei Brennblasen vorhanden in denen zweifach destilliert wurde. Erst später wurde bei Auchentoshan auf Dreifachdestillation umgestellt.
In den 1990er Jahre wurde die Produktion gedrosselt, was wohl weniger der Qualität des Whiskys, als der ideenlosen Vermarktung geschuldet war. Gegenwärtig ist das Unternehmen erheblich besser aufgestellt. Die Destillerie verbindet ihre historische Wurzel mit dem industriellen Charme Glasgows. Begleitet wird dies durch einen topmodernen Internetauftritt. Dieser beeindruckt mit frischen Marketingideen, wie beispielweise ein Geschenkset mit Emailletasse. Der Relaunch der Abfüllungen Ende 2019/20 führt den neuen selbstbewussten Auftritt fort. Als Geheimtipp der Standardrange gilt der etwa 40 € teure Auchentoshan Three Wood. Dessen Reifung erfolgt zehn Jahren in Ex-Bourbonfässern, zwei Jahre in Ex-Oloroso-Sherryfässern und zusätzliche sechs Monate in Ex-Pedro-Ximénez-Sherryfässern. Originell und interessant zugleich bietet dieser eine hervorragende Art und Weise in die Welt von Auchentoshan einzusteigen.
L. E.