Annandale Destillerie – erwacht nach 90 Jahren Dornröschenschlaf

Annandale Destillerie – erwacht nach 90 Jahren Dornröschenschlaf

1830 gründete der ehemalige Steuerbeamte George Donald die Annandale Destillerie. Sie liegt in der Nähe von Annan, eingebettet in eine ländliche Umgebung, die einen an das Yorkshire erinnert. Nach Dumfries sind es etwa 30 Autominuten.
Die Annandale Destillerie wurde von verschiedenen Generationen der Familien Donald betrieben. 1883 verkauften die Nachfahren des Gründers die Brennerei an John Sykes Gardner, welcher den Betrieb etwa 10 Jahr aufrecht erhielt. Interessanterweise übernahm 1893 – 1924 Johnnie Walker die Destillerie. Danach wurde das Objekt an eine Familie Robinson verkauft, welche nichts mit der Herstellung von Alkohol am Hut hatten. Ein Großteil der Bausubstanz verfiel, ohne dass irgendjemand dem Kleinod Beachtung schenkte.
2006 entdeckten Professor David Thomson und Teresa Church beim Studium des Buchs „Scotch Missed“ von Brian Townsend die Destillerie wieder. Thomson, der aus der Nähe von Dumfries stammt, erkundete daraufhin was von dem Objekt noch übrig war. Durch einen glücklichen Zufall konnte er über einen Verwandten des Eigentümers einen Kontakt herstellen. Damit legte er den Grundstein für den Verkauf der Destillerie.
Acht Jahre Bauzeit und eine Investition von etwa 14 Millionen GBP brauchte es, die Brennerei wieder instandzusetzen und zu modernisieren. Am 15. November 2014 konnte endlich das erste Fass der neuen Brennerei befüllt und eingelagert werden. Im Juni 2018 war es dann soweit, der erste Whisky seit 94 Jahren konnte in Flaschen abgefüllt werden.
Interessant ist, dass die jetzigen Betreiber davon ausgehen, dass die Annandale Destillerie zumindest in der Zeit bei Johnnie Walker einen getorften Whisky für dessen Blend produzierte. Der Whiskyjournalist Alfred Barnard stellte bei seinem Besuch im Jahr 1886 fest, dass dort ein „reiner Malt Whisky“ hergestellt wurde – getorft oder ungetorft bleibt offen. Überraschenderweise nutzt Annandale aktuell eine Brennapparatur, mit dem sowohl rauchige als auch nicht rauchige Whiskys hergestellt werden können, ohne dass deren unterschiedliche Ausprägungen sich vermischen. Als Master Distiller konnte Malcolm Rennie gewonnen werden, welcher vorher bei Kilchoman auf Islay tätig war.
Die nicht rauchige Variante des bei Annandale hergestellten Whisky wird als „Man O’Words“ und die rauchige „Man O’Sword“ bezeichnet. Die Abfüllung „Man O’Words“ wurde vom Dichter Robert Burns inspiriert. Nach der Erstveröffentlichung wurden die Flaschen und Umverpackungen der Abfüllungen deutlich verändert. Die 2020 lancierten Verpackungen lassen bereits im geschlossenen Zustand einen fast schon erotischen Blick auf die Flaschen zu.
L. E.

Foto:Annandale Disillery