Foto:M.Caspari

7. Tasting des Whisky Club Nordhausen “Deutsche Whisky’s I Whiskey`s“

Deutsch und Whisky sind auf den ersten Blick eigentlich zwei Begriffe, die nicht recht zueinander passen wollen. Aktuelle Statistiken weisen Deutschland als Land der Bier- und Weintrinker – und zwar in dieser Reihenfolge – aus.
In Zahlen bedeutet dies: Im Jahr 2018 trank jede Person zwischen 18 bis 64 Jahre etwa 100 l Bier, 25 l Wein und 5,5 l Spirituosen. Hinzu kommt, wenn Spirituosen auf den Tisch kommen, heißen diese in Deutschland Kräuter, Korn oder Obstler.

Was hat nun Whisky mit Deutschland zu tun? Einiges!

Aktuell werden in ca. 170 – 300 Destillerien (wobei offenbar niemand so genau weiß wie viele es sind) Whisky hergestellt. Selbst der Wortführer der Deutschen Whiskys Szene – der Verband Deutscher Whiskybrenner e. V. – zählt verblüffender Weise lt. Homepage (Stand: 6. Juli 2020) nur 38 Mitglieder.
Die Tradition des Deutschen Whisky`s bzw. Whiskey’s geht auf das Jahr 1958 und der Binger Wein- und Spirituosenhandelsfirma Adam Racke GmbH & Co. KG zurück. Der Markengründer Harro Moller-Racke kam Mitte der 1950er Jahren auf die Idee, importierte schottische Malts mit deutschen Getreidebränden zu verschneiden. Ziel war es, dem deutschen Geschmack von Whisky, d. h. so wie sich der Deutsche damals Whisky vorstellte, möglichst nahe zu kommen. Das Ergebnis ist noch heute in Supermärkten unter dem Markennamen „Racke rauchzart“ erhältlich.
Die Ehre, den ersten Deutschen Whisky gebrannt zu haben, geht – soweit dem Verfasser dieser Zeilen bekannt – an die Destillerie & Brennerei Heinrich Habbel aus Spockhövel. Der Inhaber begann im Jahr 1977 mit der Herstellung seiner Malts, welche ebenfalls noch heute unter dem Markennamen „Hillock“ erhältlich sind.
Zum 7. Whiskytasting des Whisky Club Nordhausen standen neben der Begrüßung eines neuen Mitglieds noch folgende Whisky`s bzw. Whiskey`s zur Verkostung bereit: Aureum „The Bruce Edition“, die „Blaue Maus“, Beverbach Whiskey, Stork Club Single Barrel Whiskey – Barrel Nr. 184, Bottle Nr. 459/780, Baltach – Wismarian Single Malt Whisky, ein Slyrs Single Cask Pedro Ximénez Cask 2013/2018, The Glen Els – The Journey (Edition 2017) und ein Nine Springs Tripel Cask.
So war zumindest der Plan. Doch schon zu Beginn des Tastings verblüffte der Referent des Abends die anwesenden Mitglieder des Whisky Clubs mit einer Flasche „Racke rauchzart“ aus den 1980er Jahren. Eine phantastische Gelegenheit gleich zu Beginn des Abends geschmacklich unmittelbar zu den Anfängen des Deutschen Whisky`s bzw. Whiskey`s zurückzukehren. Danach folgten reihum die vorgestellten Whisky`s bzw. Whiskey`s. Dabei bildeten der in fassstärke abgefüllte Slyrs Single Cask Pedro Ximénez Cask 2013/2018 und der in einem Ex-Bordeauxfass gereifte Stork Club Single Barrel Whiskey die Höhepunkte des Abends. Schlussendlich konstatierten die Mitglieder des Whisky Club Nordhausen einvernehmlich, dass Deutscher Whisky bzw. Whiskey sich nicht vor Whisky aus Schottland oder Irland verstecken muss.
Die Mitglieder vom Whisky Club Nordhausen freuen sich auf das nächste Tasting am 05. September 2020, welches voraussichtlich am Lagerfeuer statt wird. Das passende Thema dazu: „rauchige“ Whisky`s.
L. E.